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Tagung: Das Unheimliche, Gespenstische und Spukhafte

Zwecks Behandlung rasselnder Ketten und schlagender Türen in leeren Häusern findet man sich in Bamberg zusammen, vom 17.-19.04.15, an der dortigen Otto-Friedrich-Universität.

Weitere Informationen zur Tagung und zum ProgramIm:

“Internationale und interdisziplinäre Tagung „Das Unheimliche, Gespenstische und Spukhafte“
Veranstaltet von der Graduiertenschule für Literatur, Kultur und Medien Otto-Friedrich-Universität Bamberg,
17. bis 19. April 2015
Universität 5, 96047 Bamberg, Raum U5/02.22
Freuds Essay über Das Unheimliche von 1919, lange Zeit kaum rezipiert, gilt heute als einer seiner bekanntesten Texte. Im Foucaultschen Sinne fungiert Freud zweifellos als Diskursbegründer für das Konzept des Unheimlichen, wiewohl der Begriff zumindest etymologisch auf eine ältere Tradition verweisen kann. Insbesondere Schellings Diktum, demnach das Unheimliche alles sei, „was ein Geheimnis, im Verborgenen bleiben sollte und hervorgetreten ist“, hat sich für den psychoanalytischen Verdrängungsbegriff als anschlussfähig erwiesen. So greift Lacan in seinem Seminar über Die Angst (1962/63) das Unheimliche als Ausgangspunkt derselben vor dem ‚Objekt a‘ auf, einem Objekt, das seinen Status als solches noch nicht erreicht hat. Weiterhin bezieht sich Lacans Angstkonzeption auf die Philosophen Kierkegaard und Heidegger. In Heideggers Sein und Zeit (1927) etwa liegt die Unheimlichkeit in der Grundbefindlichkeit der Angst, die „das Dasein eigens aus der Verlorenheit in das Man zurückholt zu ihm selbst“. Angst ist somit nicht psychologisch, sondern als fundamentale Kategorie des Daseins zu verstehen, als eine Form von Heimatlosigkeit in der Welt. Freuds und Heideggers Überlegungen zum Unheimlichen finden schließlich partiell in Derridas Marx’ Gespenster (1993) zueinander. Die Hantologie ist Derridas Versuch einer Philosophie der Heimsuchung. Das Unterdrückte kehrt als Gespenst zurück und entfaltet seine Wirkmächtigkeit für die Gesellschaft der Gegenwart in einem spektralen Zwischenstatus. Auf der Tagung werden neben den bereits skizzierten auch andere Ansätze zum Unheimlichen, Gespenstischen und Spukhaften aus theoretischer, ästhetischer und medialer Perspektive diskutiert.
Freitag, 17.4.2015
Ab 13.30 Anmeldung
14.00 Prof. Dr. Andrea Bartl (Bamberg): Begrüßung durch die Prodekanin der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften und Sprecherin der BaGraLCM
14.15 Florian Lehmann (Bamberg): Zum Konzept des Unheimlichen – Thematische Einführung
Sektion 1: Kulturwissenschaftliche Perspektiven
15.00 Dr. Simon Aeberhard (Basel/Yale): „Krone der Unheimlichkeit“ Das Scheintod-Motiv als kulturhistorisches Paradigma des Unheimlichen
15.30 Kaffeepause
15.45 Dr. Hans-Joachim Schott (Leipzig): Die „gespenstische Gegenständlichkeit“ der Ware – Kulturtheoretische Überlegungen zum Unheimlichen des Warenfetischs
16.15 Julia Menzel, M.A. (Lüneburg): Gespenster, Masken und „spukhafte Wirbel“. H. G. Adlers „Theresienstadt 1941-1945“ als Beispiel einer unheimlichen Geschichtsschreibung des Holocaust
16.45 Kaffeepause
17.00 Chris W. Wilpert, M.A. (Bamberg): Vom Zeitgeist und dem Geist der Zeit: Hauntology im deutschsprachigen Pop
17.30 Prof. Dr. Laurie Johnson (Univ. of Illinois): Animal Magnetism, Romanticism, and the Uncanny Past of Psychoanalysis
Ab 19.30 Gemeinsames Abendessen im Gasthof „Brauerei Spezial“
Samstag, 18.4.2015
Sektion 2: Literaturwissenschaft
10.00 Dr. Manuel Bauer (Marburg): Der unheimliche Spekulant. Die Poetik des wiederkehrenden verdrängten Wirtschaftsmenschen bei Wilhelm Raabe und Thomas Mann
10.30 Valentina Savietto, M.A. (Bamberg/Verona): Das (un)heim(at)liche Gefühl in Klaus Manns Werken der Vor-Exilzeit
11.00 Kaffeepause 11.15 Joanna Nowotny, M.A. (Zürich): „Machen Sie sich nur breit ohne Angst“. Franz Kafka, Oskar Baum, Jean-Paul Sartre und Kierkegaards Angst
11.45 Dr. Knut Martin Stünkel (Bochum): Der ‚unheimliche Jude‘ in der jüdischen Selbstreflexion nach dem Ersten Weltkrieg. Überlegungen Franz Rosenzweigs und Max Wieners
12.15 Mittagspause
13.45 Jan Schröder, M.A. (Köln): Die unheimliche und unbehagliche Heimat. Das Verdrängte in der Heimat und seinem Hervortreten im Exil
14.15 Christoph Bartsch, M.A. (Wuppertal): Das Unheimliche – ein Gefühl der Figur und/oder ein Gefühl des Lesers? Narratologische Betrachtungen einer nicht-narratologischen Kategorie
14.45 Kaffeepause
15.00 Janna Odabas, M.A. (FU Berlin): Gespenstisches Amerika: Heimsuchung des ‚Weißen Amerikas‘ durch Geisterfiguren in Louis Erdrichs „Tracks“
Sektion 3: Medienwissenschaft und Medienkomparatistik
15.30 Alena E. Lyons, M.A. (Tübingen): Das Unheimliche und das Politische – Alejo Carpentier und Roy Andersson im Vergleich
16.00 Kaffeepause
16.15 Torsten Erdbrügger, M.A. und Inga Probst, M.A. (Leipzig): „[K]ein Gespenst aus Vorzeiten … nur etwas Unsagbares“. Intermediale Inszenierungen des Unheimlichen (in) der Postindustrie
16.45 Felix T. Gregor, M.A. (Köln): Mediale Unheimlichkeit – Unheimliche Medialität
Ab 19.00 Gemeinsames Abendessen im „Salino“
Sonntag, 19.4.2015
Sektion 3: Medienwissenschaft und Medienkomparatistik (Fortsetzung)
09.30 Dominik Schrey, M.A. (Karlsruhe): Digitale Medienkultur zwischen Heimweh und Heimsuchung
10.00 Dr. Thomas Waitz (Braunschweig): Poetiken urbaner Unheimlichkeit
10.30 Längere Kaffeepause
11.00 Peter Podrez, M.A. (Erlangen-Nürnberg): Das unheimliche Heim. Haunted houses im Horrorfilm
11.30 Corina Erk, M.A. (Bamberg): Unheimliches in Christian Petzolds „Phoenix“
12.00 Kaffeepause
12.15 Christine Schramm, M.A. (Bamberg): Wahrscheinlich spukt es – Unheimlichkeiten in der Filmdramaturgie
12.45-13.15 Abschlussdiskussion
Veranstalter und Kontakt Florian Lehmann c/o Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft An der Universität 5 | 96047 Bamberg florian.lehmann@uni-bamberg.de www.uni-bamberg.de/bagralcm/ Die Tagung wird gefördert vom DAAD aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)”

 

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