Hans-Flesch-Gesellschaft

Forum für akustische Kunst

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Öffentliche Vorführung

 

Am Freitag, den 3. August wird vom rrb das Feature “Der Himmel über Berlin” von Oliver Sturm öffentlich vorgeführt. Die Produktion ist das Ergebnis seiner Gebetomat-Recherche und befasst sich mit der zeitgenössischen religiösen Wende, insbesondere in einer Stadt wie Berlin.

“Der Himmel über Berlin oder Die Rückkehr der Götter”
Feature von Oliver Sturm

Freitag, 3. August 2012 um 19.30 Uhr

Evangelisches Kirchenforum Stadtmitte
Klosterstrasse 66, 10179 Berlin
(U Klosterstraße)
Wie alte überwundene Krankheiten, scheint es, keimen die Religionen in einer gesellschaftlichen Nährlösung, die im öffentlichen wie im privatesten familiären Bereich eine Vernichtung von Sinn betreibt. Die Sehnsucht, in einer höheren religiösen Ordnung aufzugehen und alles, was einen täglich umgibt und belastet, zu transzendieren, ist größer geworden. Der Anschluss an eine Religion geschieht nicht mehr schamhaft. Und dennoch bilden die religiösen Gemeinschaften im gesellschaftlichen System der Stadt so etwas wie okkulte Subsysteme mit ihren eigenen Regeln, Hierarchien und Verhaltensgeboten. Die Gesellschaft der religiösen Communities ist eine Welt im Verborgenen … und bildet gleichwohl ein energetisches Netzwerk von einer ungeheuren Kraft: eine Gesellschaft in der Gesellschaft, die eine in die verschiedensten Richtungen expandierende Subkultur darstellt.

Das Unheimliche der Religion liegt für den Nicht-Gläubigen in der beunruhigenden Präsenz von etwas Unsichtbarem, über das sich die Gläubigen anscheinend verständigt haben und das sogar ihr Alltagshandeln leitet, das aber für den Ungläubigen auch bei größter Anstrengung des Vorstellungsvermögens das bleibt, was es ist: unsichtbar. Alles, was geschieht, bezieht für den Gläubigen seinen Sinn aus einer transzendenten Quelle. Sie ermöglicht es ihm, das eigene Erleben und Handeln als sinnvoll zu begreifen. Sie bleibt dem Ungläubigen verschlossen.

Auf der Basis zahlreicher Besuche in Gottesdiensten und Interviews mit Gläubigen versucht das Feature die religiöse Wende im zeitgenössischen Deutschland zu verstehen. Akustisch greift  es auf die etwas über 300 Gebete und Gottesdienste in 65 Sprachen seines Gebetomat-Projekts zurück. Das oft gehörte Wort, alle Religionen meinten im Prinzip dasselbe, wird, wenn man mit dieser Fülle von Mythen und geradezu psychedelischen Vorstellungswelten konfrontiert wird, stark in Zweifel gezogen. Eher entsteht er Eindruck einer überbordenden halluzinatorischen Fähigkeit der menschlichen Imagination. Es kommt einem der Vergleich mit Rushdies “Satanischen Versen” in den Sinn, wobei die Berliner Welt der Glaubensgemeinschaften bereits deutlich polyphoner und vielgestaltiger ist als das von Salman Rushdie beschriebene London der späten 80er Jahre.

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