Hans-Flesch-Gesellschaft

Forum für akustische Kunst

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CfP: “Zeiten des Aufbruchs:…

…Der lange Sommer populärer Musikkulturen und der gesellschaftliche Wandel 1965-1985″ ist der Titel der Tagung der Sektion Kultursoziologie in der DGS und des DFG-Projekts “Time has come today” im SPP 1688 “Ästhetische Eigenzeiten”. Stattfinden wird die Tagung vom 26. bis 28.05.16 an der TU Dresden.

Weitere Einzelheiten aus dem Call:

“Seit den 1960er Jahren wurde populäre Musik in bis dato noch nicht gekannter Weise zu einer Klammer, die die
Ansprüche aufeinanderfolgender Generationen auf eigene Zeitregie, neue Lebensformen und -entwürfe
miteinander verband und ihnen, vor allem seit den 1970er Jahren, eine gesellschaftliche Verbreitung verschaffte.
Diese Verbindung von Musik, einer Alternativkultur und politischem Emanzipationsstreben entfaltete eine Sogkraft,
die noch lange fortwirkte. Kultursoziologisch ist der spezifische Beitrag der populären Musik zu den
gesellschaftlichen Wandlungsprozessen in diesem Zeitraum noch kaum thematisiert worden. In der
Popularmusikforschung werden diesbezüglich zumeist der Form- und Genrewandel oder die
Identitätsbildungsprozesse von Akteuren und Rezipienten untersucht. Die Tagung widmet sich der populären Musik
als einem sich seit den 1960er Jahren weltweit verbreitenden kulturellen Phänomen, das auch aufgrund seiner
transformativen Effekte interessant ist. Statt der in vielen kultursoziologischen Arbeiten im Vordergrund stehenden
Abwertung oder Verteidigung populärer Musik (Kritische Theorie versus Cultural Studies) geht es also um die
Kultursoziologie der populären Musik als einem Faktor des gesellschaftlichen Wandels der 1960er bis 1980er. Die
Tagung soll damit auch dazu beitragen, die vielfältigen Beziehungen von Ästhetischem und Sozialem in konkreten
Fallstudien mit Bezug auf populäre Musik zu analysieren.
Die – nicht eben zahlreichen – kultursoziologischen Auseinandersetzungen mit populärer Musik standen bislang
vor allem im Zeichen zweier entgegengesetzter Positionen: Für Adorno und andere stellte sie den Paradefall von
›Kulturindustrie‹ dar, betont wurde die Bezogenheit auf ein Massenpublikum und die musikindustriellen
Verwertungsinteressen wurden als ihr wesentliches Merkmal angesehen. Für die Cultural Studies hingegen,
prominent v.a. bei Paul Willis, manifestierte sich in der alltäglichen Rezeption populärer Musik eine ›symbolische
Kreativität‹, aufgrund derer sie als emanzipativ bewertet wurde. Mit Bourdieu schließlich wurden die
Gebrauchsweisen von populärer Musik als Reproduktion von Klassenstrukturen in den Blick genommen.
Allerdings, so die Ausgangsüberlegung des Tagungskonzepts, hat populäre Musik seit den 1960er Jahren darüber
hinaus eine sehr bedeutsame Rolle in den zunächst die westliche Welt prägenden gesellschaftlichen
Transformationen und kulturellen Umbrüchen gespielt: Sie ist, so die Annahme, ein Kulturphänomen, das diese
nicht nur zum Ausdruck bringt, sondern selbst (mit)bewirkt. Deutlich wird dies besonders in den späten 1960ern
und den 1970ern, als populäre Musik zu einem wesentlichen ästhetischen Mittel und Ausdruck jugendlicher Subund
Gegenkulturen wurde: Mit Diskotheken, Konzerten, Kneipen u.a. entstand ein dichtes Netz von Orten und
Ereignissen für diese Szenen. Populäre Musik prägte die Biografien dieser Generationen, sie schuf, so die im
Forschungsprojekt der Tagungsorganisatoren verfolgte These, Eigenzeiten und -räume, die mit vielfältigen (auch
außermusikalischen) Bedeutungen aufgeladen, als soziale Räume genutzt wurden und dadurch auch
gesellschaftliche Wirkungen entfalteten. Zu fragen ist damit auch, wie populäre Musik dazu beitrug, vermittelt durch
ästhetische Erfahrungsweisen neue soziale Praxisformen und gesellschaftliche Tendenzen zu moderieren oder
sogar zu ermöglichen.
Autoren wie der Poptheoretiker Diedrich Diedrichsen vertreten die Auffassung, dass die Bedeutung von Musik für
Jugendkulturen spätestens seit den 1990er Jahren wieder abnehme – sie sei in eine ›postheroische Phase‹
übergegangen –, wobei sie die Bedeutung der populären Musik daran messen, inwieweit sie politisch-emanzipative
Tendenzen befördern können. Demgegenüber lässt sich die These vertreten, dass Musik in der Jugendphase nach
wie vor zeitlich sehr intensiv genutzt wird und mehr denn je Alltagsbegleiter ist, so, dass ihr heute lediglich eine
andere Bedeutung zukommt als vordem. Es sind daher auch Beiträge erwünscht, die Beispiele solcher
›postheroischer‹ Nutzungen populärer Musik untersuchen und an ihnen aufzeigen, inwieweit sich die
gesellschaftliche Bedeutung von populärer Musik seit den 1980er Jahren verändert hat.
Die Tagung soll vor diesem Hintergrund kultursoziologische Perspektiven erstens auf die spezifisch musikalischen
bzw. ästhetischen Formen der populären Musik sowie die sich mit ihnen verbindenden generationalen Lagerungen,
kulturellen Praxen, politischen Artikulations- und Geselligkeitsformen entwickeln. Zweitens soll die Rolle der
populären Musik in den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen der 1960er bis 1980er Jahre, aber auch danach in
den Blick genommen werden. Ausdrücklich werden dabei auch Beiträge aus der Musikwissenschaft, der
Geschichtswissenschaft und verwandten Gebieten erbeten, in denen gerade zur Ästhetik der populären Musik und
den sie tragenden Orten und Gruppen bereits Arbeiten vorliegen. Im Fokus soll dabei zunächst die Situation in der
Bundesrepublik stehen, wobei auch Beiträge zu anderen Regionen denkbar sind.
Als Keynote Speaker konnten der Historiker Detlef Siegfried und der Kulturwissenschaftler Jochen Bonz gewonnen
werden: Siegfried hat mit »Time is on my side« (2006) die einschlägige geschichtswissenschaftliche Monographie
zum Thema vorgelegt, Bonz’ Arbeiten stehen für einen sowohl kulturtheoretischen als auch ethnographischen
Zugang zur Popkultur.
Wir bitten um Einsendung eines Abstracts (1–2 Seiten) fur Vortrage bis zum 15.12.2015 an zeiten@poptraces.de.
Mitteilungen über eine Annahme werden bis zum 15.01.2016 erfolgen.
Veranstalter:
Dominik Schrage
Holger Schwetter
Anne-Kathrin Hoklas
http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/is/tuk/Zeiten-des-Aufbruchs
Technische Universität Dresden
Institut für Soziologie
Lehrstuhl für Soziologische Theorien und Kultursoziologie
Projekt »Time has come today«
01062 Dresden”

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